Festrede

… anlässlich der Gründungsversammlung am 21.01.2010.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste, werte Eltern, liebe Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Im Namen des Vorstandes begrüße ich Sie herzlich zu unserer Festveranstaltung anlässlich der Gründung unseres „Vereins der Freunde und Förderer der Staatlichen Regelschule Küllstedt e.V.“.
Unser ganz besonderer Gruß gilt dem Schulamtsleiter des Eichsfeldkreises, Herrn Dr. Bernd Uwe Althaus, der Landtagsabgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden, Frau Christina Tasch, Herrn Peter Krippendorf, Leiter des St. Josef Gymnasiums Dingelstädt, Herrn Josef Vockrodt, Ehrenvorsitzender des Schulfördervereins der Regelschule Küllstedt, sowie allen anderen Vertretern der Gemeinden, Schulen, Kindergärten, Vereine, Firmen und öffentlichen Einrichtungen.

Wir danken Ihnen allen dafür, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und so Ihr Interesse an unserer Schule, unseren Schülern und unserem Verein bekunden.

Liebe Gäste, am 02.11.2009 erfolgte die Eintragung unseres Fördervereins in das Vereinsregister. Es ist somit das Gründungsdatum des Fördervereins der Regelschule Küllstedt. Wir gehören damit wahrscheinlich zu den letzten Schulen des Eichsfeldkreises, die sich zur Gründung eines Fördervereines entschlossen haben. Das lange Zögern ist weniger auf unsere Schwerfälligkeit zurückzuführen. Der Entschluss zur Gründung eines Fördervereins ist lange gereift und das Ergebnis kontroverser Diskussionen unter uns Lehrern.

Wenn man einen Förderverein vor allem als Geldquelle zur Finanzierung schulischer Belange betrachtet – und das ist bei einigen solcher Vereine durchaus der Fall – dann kann man darüber streiten, ob solch eine Organisation tatsächlich sinnvoll und notwendig ist.
Die materielle und finanzielle Ausstattung staatlicher Schulen ist und bleibt eine vornehme Aufgabe des Landes. Ein Förderverein kann nicht dazu dienen, den staatlichen Träger finanziell zu entlasten. Es kann auch nicht richtig sein, dass Schulen umso besser ausgestattet sind, je mehr sie über Vereinsmitglieder bzw. finanzkräftige Sponsoren verfügen.

Diese Überlegung war das Hauptmotiv dafür, dass wir mit der Vereinsgründung so lange gezögert haben.
Mehr und mehr ist jedoch im Laufe der Diskussion die Überzeugung gereift, dass ein Schulförderverein durchaus eine Berechtigung hat, wenn er die finanzielle Unterstützung von schulischen Veranstaltungen oder bei der materiellen Ausstattung der Schule als eine sekundäre Aufgabe begreift und die Schwerpunkte seiner Arbeit in anderen Bereichen setzt.

Wann ist ein Förderverein sinnvoll? Das war die Frage, die wir uns im Schuljahr 2008/2009 gestellt haben – und drei Argumente haben schließlich überzeugt und dazu geführt, dass 100% der Lehrerschaft die Initiative zur Vereinsgründung unterstützt haben:

  1. Ein Förderverein sollte dazu beitragen, den Gemeinschaftssinn an der Schule zu stärken. Er sollte mit seiner Arbeit das Ziel verfolgen, die Identifikation der Schüler, der Eltern und der Lehrerschaft sowie der beteiligten Gemeinden mit der Schule zu fördern, die Schule von einem Ort der Wissensvermittlung zu einem sozialen und kulturellen Zentrum zu gestalten, für das sich nicht nur die Lehrer, sondern auch Eltern, Schüler und alle Bürger der Gemeinden mitverantwortlich fühlen.
    Nicht nur der Gedanke „Ich und meine Zensuren“, auch nicht nur „Ich und meine Klasse“, sondern die Idee „Wir und unsere Schule“ sollte im Mittelpunkt unserer Betrachtungen stehen.
  2. Der Förderverein muss die Zusammenarbeit mit den unmittelbar Beteiligten intensivieren. Wir haben in dieser Hinsicht Nachholebedarf. Wir glauben, dass Eltern und Schüler noch zu wenig in die Entscheidungen an unserer Schule eingebunden sind, dass sie zu selten eingeladen, befragt und informiert werden.
    Die Zusammenarbeit mit den Eltern und Elternvertretern darf sich nicht mehr länger beschränken auf Elternversammlungen, Elternsprechtage und die jährliche Sitzung der Schulkonferenz. Das sind meistens vorwiegend Informationsveranstaltungen, in denen es um die Stärken und Schwächen einzelner Schüler geht. Wenn wir es aber ernst meinen mit der Zusammenarbeit, dann müssen wir deutlich über dieses Niveau hinauskommen. Wir brauchen den Rat der Experten, damit meine ich die Schüler und die Eltern, immer dann, wenn es um die Belange der Schule als Ganzes geht. Und so reicht es eben nicht aus, über Beschlüsse der Schulleitung bzw. der Lehrer zu informieren, sondern wichtige Entscheidungen sollten das Ergebnis einer lebhaften und konstruktiven Diskussion sein, in die Schüler und Elternmeinungen einfließen.
    So sollten wir z.B. bald zum umstrittenen Thema „Längeres gemeinsames Lernen“ Stellung beziehen und uns einen Standpunkt erarbeiten.
    Wir haben viele engagierte Schüler und Eltern, die bereit sind, sich einzubringen, wenn ihre Meinung gehört und ernst genommen wird.
    Wann immer wir Gäste haben in unserem Haus, wann immer wir mit unseren Schülern Veranstaltungen außerhalb besuchen – seien es Theatervorstellungen, Exkursionen, gemeinsame Wandertage, Projekte u.a. – immer wieder hören wir Positives über die Aufgeschlossenheit, das Interesse, die Disziplin und das Engagement unserer Kinder. Deshalb kann ich unseren Schülern heute zurufen: Wir sind stolz auf euch, wir sind gerne eure Lehrer und wir sind an euren kritischen Meinungen und Hinweisen interessiert. Und wir wünschen uns und wollen dafür arbeiten, dass ihr stolz seid, Schüler dieser Schule zu sein! Wir wollen in Zukunft Gelegenheiten schaffen, bei denen Schüler und Eltern stärker zu Wort kommen. Und Sie, werte Eltern, sollen froh darüber sein, dass Ihre Kinder die Möglichkeit haben, an unsere Schule zu gehen.
  3. Wann macht ein Förderverein auch Sinn? Natürlich dann, wenn er viele Mitglieder hat, die regelmäßig ihren Vereinsbeitrag entrichten und finanzkräftige Sponsoren, die außerunterrichtliche Vorhaben unserer Schule durch Geldzuwendungen unterstützen. Das können jedoch immer nur Initiativen sein, die über den Verantwortungsbereich des Landes hinaus gehen. Zusätzliche Angebote und Anschaffungen, die nicht in das Pflichtprogramm des Schulamtes fallen und die inhaltlich auch nicht bestimmt und dominiert werden durch die Wünsche der Lehrer, sondern vor allem durch die Interessen der Schüler und Eltern. Wenn das das Selbstverständnis unseres Vereins ist, dann sind wir auf einem guten Weg.

Der Anfang war holprig und manchmal frustrierend.

In einem Brief an alle Elternhäuser haben wir im Mai 2009 gefragt, wer bereit wäre, einen Schulförderverein über eine bloße Mitgliedschaft hinaus tatkräftig zu unterstützen. Insgesamt sieben Eltern aus etwa 130 Elternhäusern, also von etwa 260 Elternteilen, haben daraufhin ihre Bereitschaft signalisiert – gerade so viele, dass die Gründungsversammlung am 02. Juli 2009 überhaupt möglich wurde.
Vielen Dank dafür an Frau Bettina Lange, Frau Angela Mock, Frau Sabine Richter, Frau Susanne Gorgs, Herrn Gerhard Wiederhold und Herrn Hans-Georg Müller.
Der Gründungsakt war schnell vollzogen. Für die Satzung gab es genügend Vorlagen von anderen Vereinen, sodass die notwendigen Unterlagen bald beim Notar Ohnesorge in Mühlhausen eingereicht waren.
Allerdings ließ eine Reaktion von dort lange auf sich warten. Schließlich stellte sich nach mehreren Nachfragen heraus, dass unsere Papiere im Chaos des „empfehlenswerten“ Notariats verloren gegangen waren. Zahlreiche Telefonate und persönliche Termine vor Ort waren notwendig, um den bürokratischen Akt der Gründung am 02. November 2009 dann endlich zu vollziehen.
Seither gab es nunmehr drei Veranstaltungen des Vorstandes, bei denen die ersten Schritte der Vereinsarbeit gegangen und konkrete Pläne unseres Wirkens vereinbart wurden.
Zunächst steht die Werbung zahlreicher Mitglieder im Vordergrund. Deshalb die Beitrittserklärungen dort hinten auf dem Tisch. Deshalb auch die heutige Festveranstaltung.
Deshalb auch unsere Homepage, auf der Sie uns ab sofort unter der Adresse www.schulfoerderverein-kuellstedt.de besuchen können, um sich über den Stand unserer Arbeit zu informieren. Auch haben Sie hier die Möglichkeit, eine Beitrittserklärung herunterzuladen.

Ich bitte Sie herzlich, gleich anschließend Ihre Mitgliedschaft zu erklären – für 10,- € Jahresbeitrag (Auszubildende und Schüler zahlen 5,- €) tun Sie ein gutes Werk für unsere Kinder – unserem wichtigsten und wertvollsten Rohstoff, der auch noch den Vorzug hat, ein nachwachsender zu sein.
Der Gewinnung vieler zahlreicher Mitglieder dient auch der Flyer – bedienen Sie sich, geben Sie Mitgliedsanträge und Flyer an Freunde und Bekannte weiter und helfen Sie so unserem Verein auf die Beine!
Auch weitere Initiativen sind bereits geplant – im Sinne der Schwerpunkte, die ich vorhin genannt habe.
Der Verein will regelmäßig Veranstaltungen mit interessanten Themen für Schüler, Eltern und Bürger der Gemeinden organisieren.
So werden wir noch im Februar einen Hundepsychologen an unsere Schule einladen, der zum Thema „Tiere halten – Tiere verstehen – Tiere erziehen“ sprechen wird. Er möchte uns nicht nur mit seinen Hunden zeigen, was man durch Fachwissen und Tierliebe alles erreichen kann.
Eine weitere Veranstaltung zum Thema „Mobbing – wie kann ich mich bzw. mein Kind schützen?!“ steht noch im Frühjahr auf dem Programm.
Wir überlegen darüber hinaus, ob wir die Tradition eines „Absolvententreffens“ ins Leben rufen und ehemaligen Schülern ein Wiedersehen mit ihren ehemaligen Klassenkameraden und Lehrern ermöglichen.
Auch inhaltlich wollen wir uns einmischen und durch konkrete Vorschläge dazu beitragen, dass der gute Ansatz des „Förderunterrichts“ weitergeführt wird.
Wir denken an einen Nachmittag pro Woche unter dem Thema „Lehrer helfen Schülern“.
Vielleicht könnte das eine feste Institution werden für Schüler mit längerfristigen Betreuungsbedarf, die für ein Halbjahr oder ein ganzes Jahr regelmäßig in einem Fach Förderung erhalten. Gleichzeitig sollte dieses Angebot auch als kurzfristige Hilfe für solche Schüler dienen, die zu einem speziellen Problem spontan oder angemeldet gezielte Unterstützung durch einen Fachlehrer erhalten.
Das wäre eine Chance für unsere Schule, Profil zu gewinnen, als Schule, die keinen zurücklässt.
Meine sehr verehrten Damen und Herren.
Das Durchschnittsalter der Lehrerschaft an unserer Schule beträgt 55 Jahre. Der letzte neue Lehrer ist im Jahre 1995 zu uns gekommen. Seitdem schmoren wir im eigenen Saft.
Betriebsblindheit ist unter solchen Umständen unvermeidlich.
Jedes Unternehmen mit einer solchen Personaldecke hätte ein deutliches Innovations- und Konkurrenzproblem.

Mischen Sie sich ein!

Helfen Sie uns auf die Sprünge!

Wir sind für gut gemeinte Vorschläge dankbar und hoffen auf Ihr Engagement.
Und unserem Schulamtsleiter, Herrn Dr. Althaus, rufe ich zu:
Sorgen Sie dafür, dass junge, gut ausgebildete Kollegen an unsere Schule kommen, die uns mit ihrer Außensicht helfen, unsere Schwächen zu erkennen und zu überwinden! Junge Leute, die bereit sind, uns mit ihren Ideen voran zu bringen.
Schon im kommenden Schuljahr böte sich hierfür eine ideale Gelegenheit.
Vielleicht für lange Zeit die letzte.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und bitte Sie, nach Abschluss unserer heutigen Veranstaltung mit uns ins Gespräch zu kommen!
Und nutzen Sie jetzt die Möglichkeit, in der Diskussion Ihre Meinungen einzubringen.